Pressemitteilung 10,92 Milliarden Euro Einsparpotenzial: EICLHR-Gutachten zeigt neue Perspektive für die Pflege
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10,92 Milliarden Euro Einsparpotenzial: EICLHR-Gutachten zeigt neue Perspektive für die Pflege
Düsseldorf, September 2026 – Ein neues Wirtschaftlichkeits- und Transformationsgutachten des Europäischen Instituts für zertifizierte Arbeits- und Menschenrechte (EICLHR) zeigt ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial für die deutsche Pflegewirtschaft.
Werden dauerhaft eingesetzte Zeitarbeits-Pflegefachkräfte durch qualifizierte, international rekrutierte und direkt beschäftigte Pflegefachkräfte ersetzt, ergibt sich im mittleren Modell ein potenzielles Einsparvolumen von rund 10,92 Milliarden Euro innerhalb von fünf Jahren, wenn die im Gutachten zugrunde gelegte Größenordnung von knapp 40.000 Pflegekräften in der Zeitarbeit bundesweit übertragen wird.
10,92 Milliarden Euro – und mehr als nur eine Kostenfrage
Die Dimension der Berechnung geht nach Auffassung des EICLHR über die reine Betrachtung von Personalkosten hinaus.
Bei der dauerhaften Finanzierung von Zeitarbeit fließt ein erheblicher Teil der von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen aufgewendeten Mittel an externe Personaldienstleister. Bei international tätigen beziehungsweise im Ausland ansässigen Dienstleistungsstrukturen können dabei Teile der Wertschöpfung außerhalb Deutschlands entstehen.
Eine Direktbeschäftigung in Deutschland verändert dagegen die wirtschaftliche Wertschöpfungskette: Die Pflegefachkräfte werden unmittelbar von der deutschen Einrichtung beschäftigt. Damit entstehen in Deutschland Arbeitsentgelte und – abhängig von den jeweiligen steuer- und sozialrechtlichen Voraussetzungen – entsprechende Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbeiträge. Auch die wirtschaftliche Wertschöpfung der Einrichtungen bleibt stärker innerhalb des deutschen Gesundheits- und Wirtschaftssystems.
Der Zoll weist darauf hin, dass bei Beschäftigten ausländischer Arbeitgeber in Deutschland je nach Beschäftigungsmodell besondere deutsche arbeits-, steuer- und sozialrechtliche Pflichten zu beachten sind.
Wichtig: Das vorliegende EICLHR-Gutachten quantifiziert diese zusätzlichen Steuer- und Sozialversicherungseffekte nicht. Sie sind daher nicht Bestandteil der ausgewiesenen 10,92 Milliarden Euro und sollten als zusätzliches, noch gesondert zu untersuchendes volkswirtschaftliches Potenzial verstanden werden.
Von der Kostenreduzierung zur Stärkung des Gesundheitsstandorts Deutschland
Damit eröffnet die Transformation aus Sicht des EICLHR eine weitere Perspektive:
Weniger externe Zeitarbeitskosten + mehr direkte Beschäftigung + höhere langfristige Personalbindung + zusätzliche inländische Wertschöpfung.
Jörg Kibbat, Institutsleiter des EICLHR:
„Wir sprechen hier nicht nur über die Frage, was ein Krankenhaus für eine Pflegekraft bezahlt. Wir müssen uns auch ansehen, wo Wertschöpfung entsteht und wo die damit verbundenen Lohn-, Sozial- und gegebenenfalls Steuerströme anfallen. Wenn dauerhaft benötigte Pflegefachkräfte direkt in Deutschland beschäftigt werden, kann dies neben erheblichen Kostenvorteilen auch positive Effekte für die inländische Wertschöpfung haben.“
27,3 Millionen Euro Einsparpotenzial bei nur 100 Pflegefachkräften
Das Gutachten verdeutlicht die Dimension anhand eines Modellfalls mit 100 Pflegefachkräften.
Im mittleren Szenario wird ein Zeitarbeits-Verrechnungssatz von 60 Euro pro Stunde zugrunde gelegt. Dadurch entstehen bei 100 Vollzeitkräften modellhaft Zeitarbeitskosten von 11,52 Millionen Euro jährlich. Die modellierten Kosten der direkten Beschäftigung liegen bei 5,76 Millionen Euro jährlich. Hinzu kommen einmalige Implementierungskosten von 1,5 Millionen Euro.
Das daraus errechnete Einsparpotenzial beträgt:
- 4,26 Mio. Euro im ersten Jahr
- 5,76 Mio. Euro ab dem zweiten Jahr
- 27,3 Mio. Euro über fünf Jahre
Hochgerechnet auf die im Gutachten angesetzte Größenordnung von knapp 40.000 Zeitarbeits-Pflegekräften ergibt sich daraus das genannte modellhafte Potenzial von 10,92 Milliarden Euro über fünf Jahre.
Internationale Rekrutierung – aber verantwortungsvoll
Das EICLHR betont zugleich, dass internationale Rekrutierung nicht als kurzfristiger Ersatz für Personalengpässe verstanden werden darf.
Voraussetzungen sind unter anderem:
- rechtskonforme Rekrutierung,
- berufliche Anerkennung,
- erforderliche Sprachkompetenz,
- faire Arbeitsbedingungen,
- professionelle Integration,
- nachhaltige Mitarbeiterbindung.
Das Gutachten bezeichnet internationale Rekrutierung ausdrücklich als integriertes Personal- und Transformationsprojekt.
Im Kontext des FairTOP3-Systems stehen dabei faire Anwerbung, faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Integration im Mittelpunkt.
Ein Milliardenpotenzial mit mehreren wirtschaftlichen Ebenen
Das Gutachten macht damit eine grundsätzliche wirtschaftliche Fragestellung sichtbar:
Muss Deutschland dauerhaft hohe Aufschläge für externes Pflegepersonal finanzieren – oder kann ein Teil dieser Mittel in den Aufbau eigener, qualifizierter und langfristig gebundener Personalstrukturen investiert werden?
Nach dem EICLHR-Modell könnte eine solche Transformation nicht nur die Kosten einzelner Einrichtungen reduzieren, sondern auch die wirtschaftliche Wertschöpfung stärker in Deutschland halten.
Die 10,92 Milliarden Euro sind dabei ausdrücklich als modellhaftes Einsparpotenzial zu verstehen. Das Gutachten weist darauf hin, dass die tatsächliche Wirkung unter anderem von den individuellen Zeitarbeitskosten, Rekrutierungswegen, Anerkennungszeiten, Integrationskosten und der Personalbindung abhängt.
Jörg Kibbat:
„Die Diskussion über Zeitarbeit in der Pflege darf nicht bei Stundensätzen enden. Wir müssen die gesamte wirtschaftliche Wirkung betrachten – von den Kosten der Einrichtungen über die Beschäftigung und Wertschöpfung bis hin zu möglichen Steuer- und Sozialversicherungseffekten. Die 10,92 Milliarden Euro zeigen die Größenordnung des Potenzials. Die zusätzlichen volkswirtschaftlichen Effekte sollten nun gesondert untersucht werden.“
Quelle: Europäisches Institut für zertifizierte Arbeits- und Menschenrechte (EICLHR), Wirtschaftlichkeits- und Transformationsgutachten – Strategische Reduzierung von Zeitarbeit in der Pflege, Stand September 2026.














